Therapieformen

In Deutschland werden jährlich über 100.000 Blutegeltherapien bei über 30 Indikationen angewendet.

Beispiele für die Indikationen sind:

  • akute und chronische Gelenkschmerzen (z.B. Kniegelenks-, Daumensattelgelenksarthrose)
  • Krampfadern / Besenreiser / Unterschenkelgeschwüre
  • Sehnen– und Sehnenscheidenentzündungen (z.B. Tennisellenbogen, Golfarm)
  • Bluthochdruck (unterstützende Behandlung)
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Mittelohrentzündung / Tinnitus
  • Furunkel / Karbunkel / Abszesse
  • Wirbelsäulen– und Kreuzbeinsyndrome
  • Durchblutungsstörungen nach Haut- und Gewebetransplantationen

Wie wirkt Blutegeltherapie?

Die Wirkung des Blutegels ist doppelt: die ausleitende Wirkung des sanften Aderlasses führt einerseits zu einem Ausschwemmen von Entzündungs- und Giftstoffen. Andererseits wirkt jeder einzelne Egel wie eine Art lebendige Spritze auf den Körper: während des Saugvorgangs gibt der Egel seinen Speichel, die sog. „Saliva“, in die Bissstelle hinein, einen Wirkstoffcocktail aus inzwischen 18 bekannten Wirksubstanzen. Bis heute lässt sich diese besondere Wirkung nicht über Tabletten oder Spritzen nachahmen, sondern ausschließlich mit Hilfe des lebendigen Egels erreichen. Blutegel wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend, durchblutungsfördernd und gerinnungshemmend, regen den Lymphfluss und die Blutbildung an und verbessern die Abwehrkräfte des Körpers.

Die Behandlung in der Praxis

Zunächst einmal: der Biss eines Blutegels ist nicht schmerzhaft. Dies ist verständlich, denn Egel haben in der freien Natur kein Interesse daran, unangenehm bemerkt zu werden. Ob zur Schmerzlinderung ein Anästhetikum im Speichel enthalten ist, ist umstritten. Die Bisse werden wie „Brennesselstiche“,„Mückenstiche“, „ein leichtes Ziehen“ oder sogar als völlig schmerzfrei beschrieben.

Zur Egeltherapie liegen Sie bequem auf einer Untersuchungsliege oder sitzen auf einem Stuhl. Während des Saugens gewinnt der Egel an Größe und fällt nach ca. 30 - 60 Minuten spontan ab. Nach einer kurzen Nachblutungszeit wird der Verband angelegt. Für die Blutegelbehandlung sollten Sie etwa 2 Stunden einplanen. Da die Egelstellen bis zu 24 Stunden nachbluten können, sollte am Tag nach der Behandlung eine Wundkontrolle mit Verbandswechsel in der Praxis durchgeführt werden. Die entstehenden Narben sind nur millimetergroß und haben die Form eines Mercedessterns. Sie verblassen in der Regel innerhalb weniger Monate.

Blutegel: Risiken der Therapie

Die Anwendung von Blutegeln zur Therapie vieler Krankheiten ist im Hinblick auf die Übertragung von Infektions-Krankheiten von Mensch zu Mensch vergleichbar mit einer Injektions-Nadel. Der strikte Einmal-Gebrauch einer Injektionsnadel (z.B. zum Abnehmen von Blut) macht die Übertragung von Krankheiten von einem Patienten zum nächsten unmöglich. So werden alle von mir eingesetzten Blutegel zeitnah zur Anwendung bestellt und bis zur Anwendung in einem speziellen Aquarium aufbewahrt. Jeder Egel der auch nur mit der Haut eines Patienten in Berührung gekommen ist, wird nicht mehr verwendet! So werden alle von mir angesetzten Blutegel ohne Ausnahme nur ein einziges Mal verwendet! Die Blutegel selbst beziehe ich ausschließlich aus der Egelfarm in Biebertal. Dort verfügt man über die Erlaubnis zur Herstellung von Wirkstoffen tierischer Herkunft, Humanarzneimitteln und Tierarzneimitteln gemäß § 13 Abs. 1 Arzneimittelgesetz.